Dossier „NIPT als GKV-Leistung“

Kaum ein Thema wird gegenwärtig in Gesellschaft und Politik kontroverser diskutiert. Dabei ist die Grundannahme dieser Gesellschaftsdiskussion, NIPT ersetze die Fruchtwasseruntersuchung als Suchstrategie auf Down-Syndrom, sachlich falsch. Damit fußt eine gesundheitspolitische Grundsatzentscheidung auf irrigen Prämissen. Die absehbaren Folgen sind

- gesundheitspolitisch: Die Generierung rational nicht begründbarer, hoher Kosten im Gesundheitssystem, Bindung von Ressourcen, die andernorts fehlen werden

- pränatalmedizinisch: Der qualitative Rückschritt auf ein Versorgungsniveau der 1980er/1990er Jahre, der programmierte Anstieg vermeidbar spät diagnostizierter fetaler Fehlbildungen

- gesellschaftlich-ethisch: Das Verschieben von Grenzen der Autonomie des Einzelnen - die
Vergesellschaftung der bisher höchst individuellen Entscheidung der Schwangeren, ob - und wenn ja, in welchem Umfang - sie Information zur genetischen Gesundheit ihres ungeborenen Kindes haben möchte oder nicht
- informationell: Die Erosion der im Gendiagnostikgesetz verankerten informationellen Selbstbestimmung des – hier ungeborenen - Menschen über seine Erbanlagen.


Dokumente Gruppe I. bis IV.:


I. Dokumente und Links G-BA, IQWIG, Bundestag:

04.4. 2019 Alma Kollek, Arnold Sauter:
Bundestags-Bericht des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung (18. Ausschuss) gemäß § 56a der Geschäftsordnung Technikfolgenabschätzung (TA): Aktueller Stand und Entwicklungen der Pränataldiagnostik

22.3. 2019 Beschluß G-BA: Einleitung Stellungnahmeverfahren "Nicht-invasive Pränataldiagnostik (NIPD) autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 mittels eines molekulargenetischen Tests (NIPT) für die Anwendung bei Risikoschwangerschaften im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien"

22.3. 2019 G-BA-Beschlußentwurf - Änderung der Mutterschaftsrichtlinien durch Einführung NIPT

22.3. 2019 G-BA-Beschlußentwurf - Änderung der Mutterschaftsrichtlinien (MSR)
durch Einführung NIPT als Fließtext:

2019_04_05 Entwurf NIPT als KV-Leistung eingepflegt.pdf

Hier sind die Änderungen des Beschlußentwurfs - Änderung der Mutterschaftsrichtlinien durch Einführung NIPT konkret in die aktuellen MSR eingepflegt. Hierdurch erschließt sich die Änderungslogik in lesbarer Form.

22.3. 2019 G-BA Entwurf der sog. Tragenden Gründe - Änderung der Mutterschaftsrichtlinien durch Einführung NIPT

30.4. 2018 IQWIG-Abschlußbericht S16-06 Nicht-invasive Pränataldiagnostik zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomie 13,18 und 21 bei Risikoschwangerschaften:

S16-06_Nicht-invasive-Praenataldiagnostik-NIPD_Abschlussbericht_V1-0 (9).pdf

Im Fazit steht: "Wenn der Test nur bei schwangeren Frauen mit einem erhöhten Risiko angewendet wird (Zweitlinienstrategie), lässt sich die Zahl der invasiven Folgeuntersuchungen und damit das Fehlgeburtsrisiko gegenüber dem Status quo vermutlich reduzieren. Bei diesem Vorgehen wird allerdings weiterhin ein größenmäßig nahezu unveränderter Teil der Feten mit Trisomie 21 nicht erkannt, nämlich bei schwangeren Frauen mit geringerem Risiko. Die Anwendung des Tests bei allen schwangeren Frauen würde fast alle Feten mit Trisomie 21 erkennen. Bei schwangeren Frauen mit geringerem Risiko würden zusätzliche invasive Untersuchungen anfallen, die Gesamtzahl der invasiven Untersuchungen bliebe unter den betrachteten Szenarien unterhalb des Status quo. Unter Berücksichtigung von Testversagern kann sich diese Einschätzung jedoch umkehren, d. h. es kann nicht notwendigerweise von einer Verringerung der invasiven Untersuchungen im Vergleich zum Status quo ausgegangen werden."

IQWIG -  Projektseite [S16-06] Nicht-invasive Pränataldiagnostik zur Bestimmung des Risikos autosomaler Trisomien 13, 18 und 21 bei Risikoschwangerschaften


II. Dokumente BNVP (in Aufbau):


- NIPT als GKV-Leistung - Das G-BA-Verfahren als ordnungs- bzw. gesundheitspolitisches Rahmenwerk
- NIPT als GKV-Leistung - Irrtümer und Fehler im G-BA-Bewertungsverfahren
- NIPT als GKV-Leistung - Analyse des G-BA-Entwurfs zur Anpassung der Mutterschafts-Richtlinien
- NIPT als GKV-Leistung - Der fehlgeleitete gesellschaftliche Diskurs


III. Stellungnahmen medizinischer Fachgesellschaften, Berufsverbände; Kirchen, Sozialverbände, Trägern von psychosozialen Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und themenbezogenen Institutionen:


-8.4.2019: Erklärung Runder Tisch "NIPT als GKV-Leistung" . Diese Erklärung unterschiedlichster professioneller gesellschaftlicher Gruppierungen in diesem Feld hält fest:

" Der aktuell vorliegende Beschlussentwurf des G-BA und der Entwurf zu den tragenden Gründen ist grundlegend überarbeitungsbedürftig. ...... Im Sinne einer sinnvollen, sachgerechten und nachhaltigen Lösung zur Versorgung von Schwangeren fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Moratorium hinsichtlich des aktuellen G-BA-Methodenbewertungsverfahrens."

Parallel dazu ist die Stellungnahme auf der Homepage von Donum vitae veröffentlicht worden unter https://www.donumvitae.org/pre…ueberarbeitungsbeduerftig bzw. https://www.donumvitae.org/fil…_als_GKV-Leistung_FIN.pdf

- 9.4.2019: Pressemitteilung des Berufsverbandes Deutscher Humangenetiker e.V. (BVDH) und des Berufsverbandes niedergelassener Pränatalmediziner e.V. (BVNP): Der BVDH und der BVNP sehen erhebliche inhaltliche Mängel des Beschlussentwurfs des GBA zum NIPT und fordern eine nachhaltige Überarbeitung. Hier lesen Sie unsere gesamte Stellungnahme. Zum Herunterladen - PM_NIPT_GBA_BVDH_BVNP.pdf


IV. Die Stimme der Pränatalmediziner und Geburtshelfer in den Medien:


- 11.4. 2019 PD Dr. Holger Maul, Chefarzt Geburtshilfe Asklepios-Kliniken HH-Barmbek und HH-Nord-Heidberg im Fernseh-Interview mit Jens Riewa: Trisomie - Bluttest umstritten

- 11.4. 2019 Prof. Dr. Alexander Scharf, Praxis für Pränatalmedizin Mainz, Präsident BVNP im Telefon-Interview mit Claudia Christophersen: Bluttests für Schwangere - Eine Geisterdiskussion

- Seite im Aufbau -